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Bierbrauen in der Brauerei Roth
Der Vorgang des Brauens - die Umwandlung von natürlich gewonnenem Stärkezucker
in Alkohol - hat sich in den vergangenen knapp 500 Jahren des Bierbrauens
nach dem deutschen Reinheitsgebot nicht geändert. Nach wie vor dürfen
nur die vier Rohstoffe - Braumalz, Hopfen, Wasser und Hefe für das deutsche
Bier verwandt werden; jedoch hat sich der Prozeß des Brauens im Laufe
der Jahrhunderte zunehmend weiterentwickelt, bis hin zur heutigen Vervollkommenung.
Besonders den Bereichen der Brauwissenschaft und der Brauereitechnologie
gebührt dabei ein außergewöhnliches Lob. Grundlegend bis
heute ist, daß auch bei hochmoderner Bierproduktion in Deutschland
ohne Zusatzstoffe oder Malzersatzstoffe gebraut wird. Dafür bürgt
das deutsche Reinheitsgebot von 1516, die älteste Lebensmittelvorschrift
der Welt.
Wenn das Bierbrauen doch so einfach wäre...
Die meisten Rothbier-Trinker genießen ihr Lieblingsbier ohne sich
Gedanken zu machen, welchen Weg der frische, aus dem Zapfhahn sprudelnde,
goldgelbe Gerstensaft zurückgelegt hat. Bei nur vier Rohstoffen muß der
Brauer zunächst auf die erstklassigen Agrarprodukte Braugetreide und
Hopfen zurückgreifen, so wie sie auf Deutschlands Feldern in höchster
Qualität gedeihen. Denn das weiß selbst jeder Hobby-Koch: Gute
Zutaten sind die grundlegende Voraussetzung für ein gutes Essen. Dies
gilt selbstverständlich auch für unser Bier. Sind die Rohstoffe
geerntet, nach Qualität verlesen und zum Brauen vorbereitet, markieren
vier Produktionsphasen die eigentliche Bierherstellung:
Das Einmaischen des Malzes, die Herstellung der Würze aus Malzzucker
und Hopfen, die Gärung mit Zusatz von Hefe sowie das Reifen des Jungbieres.
In der Mälzerei
Bevor allerdings mit dem Bierbrauen begonnen werden kann, wird die Braugerste
in der Mälzerei unter Zusatz von Wasser zum Keimen angeregt. Dabei werden
im Korn Enzyme aktiviert, die später beim Brauen die Stärke ganz
natürlich in Malzzucker um-
wandeln. die gekeimten Körner werden dann getrocknet, der Mälzer
nennt dies "darren". Gleichzeitig entstehen die je nach Malztyp
verschiedenen Aromastoffe, die Geschmack und Stärke der späteren
Biere prägen.
In der Brauerei
In der Rothbier-Brauerei gelangt das hochwertige Braumalz zusammen mit Brauwasser
in die Maischpfanne. Maischen ist ein Fachausdruck für das Kochen des
geschroteten Malzes mit Wasser. Dabei wird die im Korn enthaltene Stärke
in Zucker umgewandelt. Je nachdem welcher Malztyp verwendet wird und wie
lang bei unterschiedlichsten Temperaturen gemaischt wird, beeinflußt
den besonderen Geschmack des Rothbieres. Dafür ist natürlich auch
das jeweilige Brauwasser mitverantwortlich, denn auch die Beschaffenheit
des Wassers spielt eine wichtige Rolle für die Entstehung eines vollmundigen
oder herben Bieres.
Die Maische gelangt nun in einen großen Kessel mit Siebboden, den sogenannten
Läuterbottich. Hier werden die unvergärbaren festen Bestandteile,
Treber genannt, von der flüssigen Bierwürze herausgesiebt. Der
ausgewaschene Treber wird aufgrund der teilweise verbliebenen Nährstoffe
als Viehfutter verwandt. Die wertvolle Bierwürze hingegen, bestehend
aus gelöstem Malzzucker und hochwertigen Nährstoffen des Malzkornes,
wird in die sogenannte Würzpfanne gepumpt und zum Kochen gebracht. Dabei
entsteht die Stammwürze des Bieres. Sie enthält alle vergärbaren
Inhaltsstoffe in konzentrierter Form. Der Stammwürzgehalt des Rothbier
Sortiments beträgt zwischen 11 und 15 Prozent. (Der Stammwürzgehalt
der Alkoholfreien Biere liegt bei 6 - 8 %)
Dies bedeutet, daß in 100 Gramm Würze 11 bis 15 Prozent aus dem
Malz gelöste Stoffe - die später zu Alkohol vergoren werden - enthalten
sind. Noch während des Kochens wird der Würze der Hopfen hinzugegeben.
Die im Hopfen enthaltenen Bitterstoffe lösen sich und geben dem späteren
Rothbier je nach Menge und Hopfenart seinen herben Geschmack.
Von der Würze zum Jungbier - auch ein Bier muß wachsen
Nach dem Kochen wird die Bierwürze zur Klärung in den Whirlpool
geleitet, in dem sich die sogenannten Trübteilchen absetzen. Abgekühlt
auf 5 - 6 Grad kann nun mit dem Gärvorgang begonnen werden. Dafür
benötigt der Brauer den vierten und letzten Rohstoff, die Hefe. Erst
durch sie wird der Gärprozeß in Gang gesetzt. Im sogenannten Gärkeller
beginnt mit der Zugabe von Hefe der Gärvorgang, bei dem sich innerhalb
weniger Tage eine kräftige Schaumschicht als sichtbares Zeichen des
Gärprozesses bildet - die Kräusen. Zucker wird zu Alkohol und Kohlensäure
abgebaut. Deshalb stehen die oft verwechselten Ausdrücke Alkoholgehalt
und der bereits erwähnte Stammwürzgehalt in enger Verknüpfung.
Die aus dem Malz gelösten Stoffe - hauptsächlich Malzzucker - sind
im Rahmen des Gärprozesses für den späteren Alkohol- und wertvollen
Nährstoffgehalt des Bieres verantwortlich.
Geduld, Geduld - die Natur braucht ihre Zeit
Doch ein wenig Geduld muß der passionierte Biergenießer noch
aufbringen, bevor ihm der edle Gerstensaft des Rothbieres durch die Kehle
rinnt. Nun gelangt das sogenannte Jungbier in die Lagerkeller, wo es bei
Temperaturen um null Grad reifen muß. Bevor es dann zur Auslieferung
in Fässer, Flaschen oder Dosen abgefüllt wird, muß es zuvor
durch Filtern von Trübstoffen und Hefe befreit werden, damit es klar
getrunken werden kann. Ausnahme: Das beliebte Hefe-Weizenbier, das trüb
belassen wird.
Auch wenn heute Dank modernster Technik gebraut wird, bleibt das Bierbrauen
in Deutschland ein natürlich biologischer Vorgang !
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